Einleitung
Ab 2026 steigen die Einkaufskosten für Metall aufgrund der Einführung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). Dieser Mechanismus der Europäischen Union zielt darauf ab, die CO₂-Emissionen importierter Stahl- und Aluminiumprodukte auszugleichen und dadurch Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden und Klimaschutz zu fördern [1]. Im folgenden Beitrag werden die Funktionsweise, relevante Kostenfaktoren und die unmittelbaren Auswirkungen auf Metallpreise erläutert.
Hintergrund des CBAM
Der CBAM wurde als neues Instrument im Rahmen der EU-Klimapolitik entwickelt, um Importeure dazu zu verpflichten, die indirekten und direkten CO₂-Emissionen ihrer importierten Grundstoffe auszugleichen. Ab dem 1. Januar 2026 gilt der Mechanismus verbindlich für Stahlprodukte, um die CO₂-Emissionen importierter Waren transparenter zu machen und die Dekarbonisierung in der EU zu beschleunigen [4]. Das Ziel besteht darin, ein faires Wettbewerbsumfeld zu schaffen, in dem Importe nicht durch geringere CO₂-Kosten begünstigt werden, die außerhalb Europas entstehen [7].
Mechanismus und Kostenfaktoren
Mit dem Start der definitiven CBAM-Phase ab 2026 wird der CO₂-Grenzausgleich erstmals kostenwirksam. Importeure müssen für jede Tonne CO₂, die in der Herstellung des importierten Metalls anfällt, entsprechende CBAM-Zertifikate erwerben [5]. Der sogenannte CBAM-Faktor ist dabei die einzige bereits feststehende Größe der Kalkulation und liegt für das Jahr 2026 bei 97,5 % des in der EU gültigen Emissionspreises [2]. Bis 2034 ist eine sukzessive Reduktion des Faktors auf 0 % geplant, parallel zu einer schrittweisen Integration in das EU-Emissionshandelssystem.
Die Zertifikate müssen anteilig erworben werden, wobei die im Importdokument nachgewiesenen Emissionen als Basis dienen. Die Europäische Kommission hat angekündigt, detaillierte Informationen zur konkreten Preisgestaltung bis kurz vor dem Starttermin zu veröffentlichen [8]. Gleichzeitig sollen bestimmte Verfahrenserleichterungen greifen: Rund 90 % der ursprünglich betroffenen Unternehmen werden von aufwändigen Nachweisprozessen befreit, um kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu erleichtern [11].
Auswirkungen auf Metallpreise
Die Einführung des CBAM führt unmittelbar zu erhöhten Einkaufspreisen für Metalle, insbesondere für Stahl und Aluminium. Anbieter werden die Kosten für CO₂-Zertifikate auf ihre Verkaufspreise umlegen, sodass sich die Beschaffungskosten in der EU deutlich erhöhen [1]. Während der Übergangsphase können Unternehmen noch teilweise auf bestehende, kostenfreie Emissionszertifikate zurückgreifen, doch ab 2026 entfällt diese Möglichkeit sukzessive [15].
Insbesondere die Aluminiumindustrie könnte durch den CBAM unter Druck geraten. Obwohl die Maßnahme primär dem Klimaschutz dient, warnt die Praxisstudie, dass Unternehmen in Sektoren mit hohem Importanteil einen Wettbewerbsnachteil erleiden könnten, wenn sie die zusätzlichen Kosten nicht an Endkunden weitergeben können [3]. Für Stahlimporteure hingegen werden sich Preisaufschläge kalkulierbar gestalten, da der CBAM-Faktor bereits feststeht und die erforderlichen CO₂-Daten in der Regel verfügbar sind [6].
Ausblick und Handlungsempfehlungen
Unternehmen sollten rechtzeitig ihre Lieferketten analysieren und Angaben zu den CO₂-Emissionen ihrer Zulieferer einholen. Eine genaue Erfassung der Emissionsdaten ermöglicht eine präzise Kalkulation der Zertifikatkosten und eine bessere Verhandlungsbasis mit Lieferanten [9]. Zudem können Investitionen in emissionsärmere Produktionsverfahren die Menge der zu kompensierenden Emissionen reduzieren und langfristig Kosten sparen.
Parallel ist eine Beobachtung der weiteren EU-Regelungen ratsam. Da die Europäische Kommission noch ergänzende Leitlinien zur Zertifikatevergabe und zu Ausnahmeregelungen veröffentlichen wird, sollten Unternehmen flexibel reagieren und gegebenenfalls auf Besserstellungen für besonders betroffene Branchen pochen.
Quellen
[1] 247tailorsteel.com – CBAM treibt Metallpreise 2026 in die Höhe
[2] stahlmarktconsult.de – Unterstützt die CBAM-Scharfschaltung höhere Stahlpreise
[3] mejo.de – CBAM 2026: Gut gemeint, aber schlecht gemacht?
[4] vanleeuwen.com – CBAM und Anpassungen der EU Safeguards
[5] gallehr.de – CBAM – Neue Regularien der definitiven Phase und Verschärfung der CBAM-Kosten
[7] taxation-customs.ec.europa.eu – Carbon Border Adjustment Mechanism
[8] hs-niederrhein.de – Detaillierte Informationen zur Preisgestaltung ab 2026
[9] greenreporting.eu – CBAM 2026: Kommende Risiken und Verpflichtungen
[10] carbontrust.com – Was CBAM für Importeure und Exporteure von Stahl, Eisen und Aluminium bedeutet
[11] bundesumweltministerium.de – CBAM-Vereinfachung: 90 % der Unternehmen befreit

