Wenn Rohstoffe knapp werden: Eine Herausforderung für die Zerspanung
Die Beschaffung von Zerspanungswerkzeugen war selten so anspruchsvoll wie heute. Steigende Preise, unsichere Lieferketten und eine wachsende Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen stellen Einkaufsleiter in der Bahn- und Automobilindustrie vor ernsthafte Fragen. Im Mittelpunkt: Hartmetall – jenes unverzichtbare Material, das in nahezu jeder CNC-Zerspanungsoperation zum Einsatz kommt. Doch was steckt hinter der aktuellen Knappheit, und welche Strategien helfen, den Produktionsbetrieb stabil zu halten? Als Unternehmen mit 100-jähriger Erfahrung in der Fertigung präziser Dreh- und Frästeile kennen wir diese Herausforderungen aus der täglichen Praxis – und möchten Ihnen mit diesem Beitrag fundierte Orientierung bieten.
Die Ursachen der Hartmetall-Knappheit
Hartmetall besteht zu einem wesentlichen Teil aus Wolfram – einem der seltensten und kritischsten Rohstoffe überhaupt. Das Kernproblem: Der Abbau von Wolfram konzentriert sich in erheblichem Maße auf China, was europäische Hersteller gegenüber geopolitischen Spannungen und Lieferkettenunterbrechungen besonders anfällig macht.2
Diese Abhängigkeit ist nicht neu, gewinnt aber in einem Umfeld globaler Unsicherheiten zunehmend an Gewicht. Wenn der Zugang zu kritischen Rohstoffen eingeschränkt wird, spüren das zunächst die Werkzeughersteller – und in der Folge alle Unternehmen, die auf präzise Zerspanungswerkzeuge angewiesen sind.1 Für Einkaufsleiter bedeutet das: steigende Einkaufspreise, längere Lieferzeiten und ein erhöhter Planungsaufwand.
Die Konsequenz ist eine Neubewertung des gesamten Werkstoffeinsatzes in der Zerspanung. Unternehmen sind gezwungen, ihre Prozesse effizienter zu gestalten, alternative Werkstoffe zu prüfen und ihre Beschaffungsstrategien grundlegend zu überdenken.2
Hartmetall bleibt unverzichtbar – aber nicht überall
Trotz aller Herausforderungen gilt: Hartmetall bleibt für schwere Zerspanungsoperationen ohne gleichwertige Alternative. Bei der Schruppbearbeitung, bei hohen Schnitttiefen und unter instabilen Bedingungen ist es nach wie vor das Material der Wahl.1 Die Effizienzsteigerung – nicht der pauschale Ersatz – steht daher im Vordergrund jeder sinnvollen Strategie.2
Umso wichtiger ist es, Hartmetall dort einzusparen, wo es technisch möglich ist, ohne Qualitätseinbußen zu riskieren. Genau hier setzt eine differenzierte Betrachtung des Werkstoffeinsatzes an.
Cermet als gezielte Alternative bei Schlichtoperationen
Eine der vielversprechendsten Alternativen für bestimmte Anwendungsbereiche ist Cermet – ein Verbundwerkstoff aus keramischen und metallischen Komponenten. Cermet eignet sich besonders für Schlichtoperationen, bei denen Oberflächenqualität und Maßhaltigkeit im Vordergrund stehen.3
Die optimalen Einsatzbedingungen für Cermet lassen sich klar definieren: leichte Schlichtbearbeitungen, stabile Schnittbedingungen, geringe Schnitttiefen, hohe Schnittgeschwindigkeiten und Operationen, bei denen die Oberflächenqualität entscheidend ist.1
Durch den gezielten Einsatz von Cermet in diesen Bereichen lässt sich die Abhängigkeit von Hartmetall spürbar reduzieren – ohne die Produktivität oder Prozesssicherheit zu gefährden. Hersteller wie Tungaloy bieten speziell entwickelte Cermet-Sorten an, die auf genau diese Anwendungsprofile zugeschnitten sind.5 Entscheidend ist dabei: Es geht nicht darum, Hartmetall pauschal durch Cermet zu ersetzen, sondern den jeweils richtigen Werkstoff für den richtigen Prozessschritt einzusetzen.3
Recycling als Baustein einer resilienteren Lieferkette
Neben dem Werkstoffwechsel rückt auch das Recycling von Hartmetall stärker in den Fokus. Die Diskussion in der Branche macht deutlich, dass Europa seine Recyclingkapazitäten für Wolfram und Hartmetall ausbauen muss, um die Abhängigkeit von primären Rohstoffquellen zu verringern.2 Für Einkaufsleiter bietet das Recycling einen doppelten Vorteil: Es schont Ressourcen und kann zur Stabilisierung der Versorgungssicherheit beitragen.
Wer als Unternehmen bereits jetzt Altmaterial systematisch erfasst und dem Recyclingkreislauf zuführt, handelt nicht nur ökonomisch klug, sondern auch verantwortungsvoll gegenüber zukünftigen Lieferkettenrisiken.
Beschaffungsstrategien für Einkaufsleiter: Konkrete Handlungsfelder
Um dem Anspruch höchster Qualität gerecht zu werden und gleichzeitig die Kostensituation im Griff zu behalten, empfiehlt sich eine Kombination aus mehreren Maßnahmen:
- Lieferantendiversifikation: Die Abhängigkeit von einzelnen Werkzeuglieferanten reduzieren und alternative Bezugsquellen qualifizieren.
- Langfristige Rahmenverträge: Preissicherheit durch mittelfristige Vereinbarungen mit verlässlichen Partnern schaffen.
- Prozessanalyse und Werkstoffselektion: Den eigenen Zerspanungsprozess systematisch daraufhin prüfen, wo Cermet oder andere Alternativen technisch sinnvoll und wirtschaftlich vorteilhaft eingesetzt werden können.5
- Recycling integrieren: Altmaterial aus der Produktion gezielt erfassen und dem Recycling zuführen, um Rohstoffkosten zu senken.2
- Enge Abstimmung mit Fertigungspartnern: Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Zulieferern intensivieren, die über das Know-how und die Flexibilität verfügen, auf veränderte Werkzeug- und Materialverfügbarkeiten zu reagieren.
Gerade der letzte Punkt verdient besondere Beachtung: Ein verlässlicher Fertigungspartner, der Beschaffungsdruck kennt und mit eigener Prozesserfahrung gegensteuern kann, ist in angespannten Marktphasen mehr wert denn je.
Schäfer Drehteile: Ihr erfahrener Partner in herausfordernden Zeiten
Als inhabergeführtes Unternehmen mit 100-jähriger Erfahrung in der CNC-Dreh- und Fräsbearbeitung wissen wir, wie wichtig Verlässlichkeit und Prozesssicherheit für Einkaufsleiter in der Bahn- und Automobilindustrie sind. Als Q1-Lieferant der Deutschen Bahn AG stehen wir täglich in der Verantwortung, höchste Anforderungen zu erfüllen – und das über alle Marktlagen hinweg.
Qualität sichert die Zukunft. Dieser Grundsatz gilt auch und gerade dann, wenn Rohstoffe teurer oder knapper werden. Unsere Stärke liegt in der einwandfreien Ausführung in Qualität und Lieferzeit – unterstützt durch moderne Maschinenparks, erfahrene Fachkräfte und eine flexible Produktionsplanung, die auf Ihre Anforderungen zugeschnitten ist.
Die Hartmetall-Knappheit ist eine ernsthafte Herausforderung. Mit der richtigen Strategie – differenzierter Werkstoffeinsatz, solide Beschaffungsplanung und erfahrene Partner an der Seite – lässt sie sich jedoch beherrschbar machen.
📖 Lesetipp
Die Herausforderungen, die durch die Hartmetall-Knappheit entstehen, sind Teil eines größeren Problems, das in unserem Artikel über Materialengpässe in der deutschen Industrie 2026 näher beleuchtet wird.
Quellen
- Steigende Hartmetallpreise: Wann Cermet sinnvoll ist – Tungaloy-NTK Germany GmbH
- Hartmetall-Knappheit: Zerspanung unter Kostendruck – NCFertigung
- Wann Cermet sinnvoll ist – Zerspanungstechnik.de
- Hartmetall-Stresstest für die Zerspanung – Zerspanungstechnik.de
- Wann Cermet sinnvoll ist – angesichts steigender Hartmetallkosten – Konstruktion und Industrie

